Ballonfiesta

 

 

99 Luftballons und mehr – Zehnte International Saxonia Balloon Fiesta in Leipzig
 

Ende Juli fand in Leipzig zum 10. Mal eines der größeren deutschen Ballonfahrer-Treffen statt. Fast 130 Heißluftblasen auf engstem Raum, attraktive Wettbewerbe und familiäre Atmosphäre nahe der „City with no limits“ zeichnen diese alljährliche Fiesta aus, die diesmal jedoch an ihre Grenzen gestoßen zu sein scheint.

Ballonfahrer-Treffen haben stets eine ganz eigene, irgendwo zwischen erhaben und behaglich anzusiedelnde Atmosphäre. Am Silbersee in Leipzig-Lößnig, einem kleinen Erholungspark wenige Kilometer südlich des Zentrums der Messestadt, findet sich eine nur etwa vier Hektar große Wiese, die auch in diesem Jahr wieder die Kulisse für die bunten Akteure bot.
 
Es war jedoch nicht nur die 10. International Saxonia Balloon Fiesta, sondern auch das 95. Jubiläum der Gründung des „Leipziger Vereins für Luftschiffahrt“, der ab Oktober 1909 den ersten eigenen Gasballon „Leipzig“ einsetzte.
Das diesjährige Treffen war dagegen natürlich den Piloten der Heißluftballone gewidmet, von denen sich mit mehr als 130 eine Rekordzahl ein Stelldichein gab – wenngleich zehn davon „nur“ ferngesteuerte Kleinausgaben darstellten, die am Rande der Fiesta ebenfalls in verschiedenen Disziplinen wetteiferten.
 

Attraktive Wettbewerbe und ihre Regeln

Die Wettkämpfe der Großen umfassten z.B. drei Fuchsjagden, bei denen es für die Starter darum geht, einem vorab gestarteten „Fuchs“ (es war tatsächlich das Maskottchen einer bekannten Bausparkasse) möglichst nahe zu kommen. Dessen Besatzung legt nach der Landung am Boden ein Zielkreuz aus, dem es möglichst nahe zu kommen gilt – dokumentiert durch den Abwurf von verschiedenfarbigen Markern.
 
Eine weitere spannende Ballonfahr-Disziplin sind Weitfahrten, bei denen die größte zurückgelegte Distanz innerhalb eines vom Veranstalter festgesetzten und per GPS kontrollierte Zeit- und Höhenlimits gewertet wird. Besonders beliebt bei den Fahrern ist jedoch das sogenannte „Keygrab“ (Schlüsselgreifen). Hierbei ist Ziel des Wettbewerbs, einen an einer drei Meter hohen Stange aufgehängten Autoschlüssel ohne Hilfsmittel mit der bloßen Hand vom fahrenden Ballonkorb aus zu ergreifen. Dem Sieger winkt das zugehörige Fahrzeug, in diesem Jahr ein hochwertiger Geländewagen.
 
Die Bedingungen sahen den Start von einem beliebigen Punkt außerhalb eines eine nautische Meile messenden Radius‘ vor, das Zeitfenster betrug drei Stunden. Durch geschicktes Manövrieren in verschiedenen Luftschichten kann dies durchaus gelingen - unter glücklichen Umständen, die nun bereits zum zehnten Mal leider nicht gegeben waren. Wieder fuhren die Besten zwar nur wenige Meter am Sieg vorbei, aber näher als die knapp 25 Zentimeter im vergangenen Jahr kam noch kein Pilot während der zehn Treffen an das lockende Ziel heran.
 

Sturmfahrt endet glimpflich

Für die fast 130.000 Zuschauer, die während der fünf Tage bei kostenlosem Eintritt nach Lößnig pilgerten, bot sich vor allem während der Massenstarts ein beeindruckendes Farbspektakel am zumeist wolkenfreien Himmel. Vor allem Sonderformen wie Bierkästen, Teekannen, Eistüten und Würstchendosen, aber auch die drei beteiligten Heißluftschiffe riefen allenthalben Staunen und Bewunderung hervor.
 
Koordiniert wurden die anspruchsvollen Aufstiege von vier Startern in schwarz-weißem Schiedsrichter-Outfit, die sich zum Teil aus DFS-Mitarbeitern und Flugmeteorologen rekrutierten. Nach Einbruch der Dunkelheit sorgten am Donnerstag von ihren Brennern innen erleuchtete Ballone für Stimmung und Atmosphäre. Das Versprechen eines zweiten Glühens konnte jedoch nicht eingehalten werden, nachdem eine abendliche Gewitterfront das kleine Feld der früh Gestarteten um den Ballon des sächsischen Ministerpräsidenten Milbradt verblasen hatte.
 
Kritik wurde laut, dass diese Wetterlage nicht richtig vorhergesagt worden war, die etliche „sportliche“ Landungen mit zum Teil hohen Geschwindigkeiten in Maisfeldern und Tagebaulandschaften zur Folge hatte. Zu Schaden kam hierbei glücklicherweise niemand; zum Teil dauerte es jedoch Stunden, bis die gestrandeten Besatzungen ihre Technik aus dem unzugänglichen Terrain geborgen hatten – der gemütliche Teil musste für diese Teilnehmer dadurch erheblich kürzer ausfallen.
 
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die „International Saxonia Balloon Fiesta“ aufgrund der begrenzten Aufstellfläche an diesem Standort sicher nicht weiter wachsen sollte, um vor lauter Superlativen nicht Gefahr zu laufen, die besondere Atmosphäre zu verlieren.
 
Mit den Mega-Meetings wie in Warstein, im französische Metz oder gar in Albuquerque in New-Mexico/USA mit teilweise bis zu 1.000 teilnehmenden Ballonteams wird man sich ohnehin nicht messen können; dies ist aber auch nicht nötig. Dem Veranstalter (einer ortsansässigen Werbeagentur) gelang mit angemessener Unterstützung der Stadtverwaltung und zahlreicher Sponsoren (die u.a. für die benötigten fast 40 Tonnen Propangas sorgten) trotz einiger Unzulänglichkeiten ein charmantes Stelldichein, dass Teilnehmern wie Besuchern sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird und weiter eine feste Größe im Leipziger Veranstaltungskalender darstellt.
 

Robert Kluge



Begrenzte Freiheit

 

Kepp Smiling

 

No limits

 

Pas de deux

 

Prost!

 

The Power of Silence

 

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